Vor Kurzem hatte ich einen jungen Hund im Training. Seine Halterin wünschte sich, dass er draußen etwas ruhiger wird, besser ansprechbar ist und sich häufiger an ihr orientiert.
Zu Beginn unseres Treffens war er mit allem beschäftigt, was seine Umgebung zu bieten hatte. Die Leine stand oft unter Spannung, mal wurde hier geschnüffelt, dann dort geschaut, anschließend ging es wieder in die andere Richtung weiter. An ruhiges Stehenbleiben oder konzentriertes Arbeiten war zunächst kaum zu denken und selbst Futter konnte der Hund vor lauter Aufregung nicht annehmen.
Während wir unterwegs waren, passierte dann etwas, das auf den ersten Blick völlig unscheinbar wirkte. Der Hund drehte sich für einen kurzen Moment zu seiner Halterin um und nahm Blickkontakt auf. Kein langer Blick. Kein spektakulärer Trainingsmoment. Einfach nur ein kurzer Augenblick.
Seine Halterin hatte ihn nicht bemerkt.
Und das ist überhaupt nicht ungewöhnlich.
Wenn wir uns Veränderung wünschen, haben wir oft das große Ziel vor Augen. Wir wünschen uns einen Hund, der draußen entspannter unterwegs ist, besser ansprechbar bleibt oder Begegnungen gelassener meistert. Solange wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben, fällt unser Blick schnell auf alles, was noch schwierig ist.
Dabei passiert Entwicklung nicht plötzlich. Sie entsteht Schritt für Schritt.
Manchmal zeigt sie sich in einem kurzen Blickkontakt. Manchmal darin, dass ein Hund auf seinen Namen reagiert oder sich nach einer Ablenkung wieder seinem Menschen zuwendet. Vielleicht kann er Futter annehmen, obwohl die Umgebung zuvor noch viel zu spannend war.
Für sich genommen wirken diese ersten Schritte oft klein. Sie lösen das eigentliche Problem nicht sofort und bringen uns auch nicht von heute auf morgen ans Ziel. Trotzdem sind diese kleinen Momente so wichtig, denn sie zeigen uns nicht nur, dass bereits etwas in Bewegung gekommen ist, sondern sie geben uns auch die Möglichkeit, darauf zu reagieren.
Wenn ein Hund von sich aus Blickkontakt aufnimmt, sich nach einer Ablenkung wieder seinem Menschen zuwendet oder in einer schwierigen Situation eine bessere Entscheidung trifft als bisher, dann sind das keine nebensächlichen Augenblicke. Es sind die ersten Anzeichen der Entwicklung, die wir uns eigentlich wünschen.
Denn nur das, was wir bemerken, können wir auch honorieren. Und nur das, was immer wieder positive Erfahrungen nach sich zieht, wird ein Hund häufiger zeigen.
Oft sind es keine großen Veränderungen, die uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Viel häufiger beginnt Entwicklung in kleinen, unscheinbaren Momenten.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Sie nicht als selbstverständlich abzutun oder zu klein zu finden, sondern sie bewusst wahrzunehmen und zu honorieren.
Wer lernt, diese Augenblicke zu erkennen und zu unterstützen, schafft die Grundlage dafür, dass daraus mehr werden kann. Nicht, weil diese kleinen Momente bereits das Ziel sind, sondern weil sie das Fundament für all das bilden, was wir uns eigentlich wünschen: mehr Orientierung, mehr Gelassenheit und ein entspanntes Miteinander.
Vielleicht passiert schon mehr, als du gerade sehen kannst.
Du möchtest deinen Hund besser verstehen?
Wenn du Unterstützung auf eurem Weg möchtest, begleite ich euch gerne dabei.